Beratungskonzept

Das Beratungskonzept des Collegium Augustinianum Gaesdonck

Grundsätzliches

Beratung in der Gaesdonck findet im Alltag ebenso statt wie das Unterrichten und Erziehen. KlassenlehrerInnen, FachlehrerInnen, JahrgangsstufenleiterInnen sowie ErzieherInnen nehmen diese Aufgaben wahr. Als Internatsschule mit christlichen Grundsätzen und dem Bestreben, den einzelnen SchülerInnen möglichst individuelle Begleitung und Unterstützung zukommen zu lassen, bietet die Gaesdonck eine Ergänzung und Intensivierung der Beratungstätigkeit an.

Hierfür steht, seit Schuljahresbeginn 2011/2012, eine speziell ausgebildete Beratungskraft mit z.Zt. zehn Stunden pro Woche zur Verfügung. Dadurch sollen Wege verkürzt, der Zugang erleichtert, der Einsatz effektiver und eine Lücke zwischen Bedarf und Angebot geschlossen werden.
Da der Spiritual ebenfalls für Beratungsfragen zur Verfügung steht, erscheint es sinnvoll für die darüber hinausgehende Beratung eine weibliche Beratungskraft zur Verfügung zu haben. Die Beratungsstelle besetzt der Vorstand nach Austausch mit den entsprechenden Schul- und Internatsgremien.

Der Beratungskraft steht im Internatsgebäude (fernab des Unterrichts!) ein eigenes Büro und ein Besprechungsraum, in ansprechender Atmosphäre, für Gespräche und evtl. begleitende Maßnahmen zur Verfügung. Die Beratungszeiten sind flexibel den Bedürfnissen der an der Beratung beteiligten Personen angepasst. Ein Großteil der SchülerInnen verbringt ihre Schul- und Lernzeit in Schule und Internat, weshalb die Beratungstätigkeit beide Bereiche einschließt.

Grundsätzlich hat jeder Schüler/jede Schülerin das Recht und die Möglichkeit Beratung in Anspruch zu nehmen. Sollte jedoch ein zeitlicher Engpass bei der Beratungskraft entstehen, so werden Internats- und TagesinternatsschülerInnen bevorzugt behandelt, da externe SchülerInnen am Nachmittag/Abend die Möglichkeit haben, persönlich Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen, was bei der zuvor genannten Schülergruppe nicht der Fall ist.
(Lebens-)Bedrohliche Krisensituationen von SchülerInnen, egal welcher Schulform, sind von dieser Regelung selbstverständlich ausgenommen.

Aufgabenfelder

Die Beratungsangebote lassen sich im Wesentlichen in drei Aufgabenfelder unterteilen:
Intervention, Information und Prävention.

Intervention

  • den Schwerpunkt bildet die individuelle Beratung von SchülerInnen, im Mittelpunkt steht deren Wohlergehen
  • Einzelfallberatung und Hilfen bei persönlichen Problemen, bei Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten, Problemen in und mit dem Elternhaus
  • kollegiale Beratung: Beratung von LehrerInnen zur Vorbereitung und Unterstützung schulischer Maßnahmen, z.B. zur Förderung von Interessen und Begabungen aber auch in Konfliktfällen
  • Beratung von LehrerInnen /ErzieherInnen zur Vorbeugung und Bewältigung von Lern- und Verhaltensproblemen sowie darin begründeten Konflikten in Schule und Internat
  • Beratung von Eltern in den zuvor genannten Bereichen
  • Netzwerkarbeit
    - auf schulischer und Internatsebene mit > Schülern, Eltern, Lehrern, 
      Erziehern, Schul- und Internatsleitung, dem Spiritual
    - auf externer Ebene mit > z.B. Beratungsstellen, Schulpsychologen, Ärzten, Jugendämtern, Polizei, Therapeuten/Psychologen
  • Auf Wunsch - möglichst aller Beteiligten - Vermittler zwischen „den Parteien".
  • Beratung der Schul- und Internatsleitung bei Interventionsmaßnahmen

Information

  • Teilnahme an fördernden Weiterbildungen und Maßnahmen
  • Weitergabe von entsprechenden Informationen, Konzepten, Materialien(Multiplikatorin)
  • regelmäßiger Austausch mit LehrerInnen und ErzieherInnen(bei Wahrung der Verschwiegenheitspflicht), um die Möglichkeit der Beratung und Hilfsangebote zu bekommen, Probleme anzusprechen – sowohl in Einzelgesprächen, Kleingruppen als auch bei Lehrer- bzw. Erzieherkonferenzen
  • Netzwerkarbeit (s.o.)
  • notwendige Information der Schul- und Internatsleitung

Prävention

  • Teilnahme und Beratung in den Erprobungsstufenkonferenzen
  • Mitwirkung an Präventionsmaßnahmen, z.B. zu Themen wie
    - Konzentrationsförderung
    - Entspannungstechniken
    - soziales Lernen
    - Mobbing
    - sexualisierte Gewalt
    - Suchtproblematik
  • - Gewalt
  • Absprache über notwendige Präventionsmaßnahmen mit der Schul- und Internatsleitung
  • Kontakt zur und Einbeziehung der SV an entsprechenden Projektenund Maßnahmen

Des Weiteren sind die Aufgabenbereiche der Mediation (z.B. Vermittlung bei schulischen Konflikten), die Konsultation (z.B. bei der Kollegialen Beratung) und die Kooperation zu nennen, die jedoch auch u.U. in den oben genannten Feldern eine Rolle spielen.

Ziele des Beratungsangebotes

Beratung ist zu verstehen als dialogischer Prozess. Langfristiges und übergeordnetes Ziel ist, Veränderungen durch Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Beratung Suchenden sollen lernen, mit Hilfe erarbeiteter Handlungskonzepte mit ihren Problemen selbständig umzugehen, diese zu lösen.
Sie sollen Zuversicht aufbauen und (wieder) Spaß am Leben und am Lernen gewinnen.

Weitere Ziele sind:

• In geschützter Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung vertrauensvolles Zuhören und Reden zu ermöglichen.
• Anerkennung und Förderung der Problemlösungsfähigkeit der Ratsuchenden.
• Gemeinsame Analyse möglicher Ursachen für persönliche und/oder schulische Probleme,
  die die eigene Entwicklung oder auch die Zusammenarbeit mit
  MitschülerInnen beeinträchtigt.
• Gemeinsames Entwickeln selbst-erreichbarer Ziele/Wünsche
• Gemeinsames Überprüfen und Festlegen der Rahmenbedingungen fürVeränderung.
• Gemeinsames Entwickeln von Verfahren und Methoden, die helfen, Reaktionsketten aufzudecken und langfristig zu Situationsveränderungen führen.
• Erarbeiten/Anbieten von Lern-, Förder- und/oder Beratungsangeboten.
• Nutzung verfügbarer Ressourcen.
• Die Erkenntnis gewinnen, dass Änderungen immer prozesshaft sind, d.h. kleine Schritte in Richtung Ziel sind schon ein Erfolg.
• Wenn nötig Kontakt zwischen dem Ratsuchenden und den Eltern, den LehrerInnen/ErzieherInnen und/oder externen Hilfsangeboten herzustellen oder zu ermöglichen.

Grundprinzipien

Für jede Einzelfallberatung gelten folgende Grundprinzipien:

  • Die Beratung ist grundsätzlich freiwillig.
    Veränderungen lassen sich nicht erzwingen, weshalb Beratung nur auf freiwilliger Basis erfolgen kann. Auch ob er eine begonnene Beratung fortsetzt oder abbricht, bestimmt der Ratsuchende.
     
  • Die Beratung ist vertraulich.
    Alle Informationen und Angaben der an der Beratung beteiligten Personen
    unterliegen der Schweigepflicht. Diese kann erst nach Absprache mit den
    Ratsuchenden aufgehoben werden. Bei einer Informationsweitergabe an externe Einrichtungen
    muss eineSchweigepflichtentbindung durch die Erziehungsberechtigten, bei
    Volljährigen durch diese selbst, vorliegen.
    Ausnahmen bilden Fälle von Kindeswohlgefährdung im Sinne des § 8a SGB VIII.
     
  • Die Beratung ist unabhängig.
    Zum einen darf die Auftragsvergabe nicht die Unabhängigkeit der
    Beratungskraft beeinflussen. Das Ergebnis der Beratung muss offen sein.
    Zum anderen gilt, dass sowohl die Tatsache, dass ein Schüler/eine Schülerin die Beratung sucht,
    als auch deren Inhalt, keine unmittelbaren Auswirkungen auf das Unterrichtsgeschehen
    oder die Notengebung haben darf.

    Anlässe und Problemstellungen

für Beratungsbedarf sind zum Beispiel:

• Leistungsschwankungen und Leistungsversagen
• Lern- und Arbeitsstörungen
• mangelnde Motivation
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme
• Schul- und Prüfungsangst
• Schulschwänzen
• Verhaltensauffälligkeiten
• soziale Auffälligkeiten
• persönliche Probleme, z.B. physischer, psychischer oder familiärer Art
• Ängste
• Gewalt
• sexuelle Grenzverletzungen und Missbrauch
• ....

Zu bedenken gilt immer: Die Beratung in der Schule hat keinen Therapieauftrag!

Der Beratungsprozess

Jede Beratung hat ihren individuellen Wert. Als möglicher „Rahmen" und strukturelle Hilfe lässt sich ein Beratungsprozess jedoch in unterschiedliche Phasen* einteilen.

• Ausgangssituation
  – das Problem wird an den Beratungslehrer herangetragen
• Annahme des „Auftrages" und erste Überlegungen
  - z.B. Kenntnisse über die beteiligten Personen, deren Probleme,
Frage der Interessen, Zuständigkeiten und Ressourcen
• Informationssammlung
  - Informationsbeschaffung aus dem beteiligten Umfeld
• Auswertung der Ergebnisse und Planung des genauen Vorgehens
• Durchführung der Beratung und Planung weiterer Maßnahmen
  - hier steht das Gespräch im Vordergrund mit Erläuterungen zur
    Person, Rolle und Funktion der Beratungslehrerin (bei Erstgespräch)
  - Klärung der Problemstellung
  - gemeinsame Zielanalyse
  - Erarbeitung und Festlegung von Methoden zur Zielerreichung
  - Festlegung von konkreten, überprüfbaren Maßnahmen
  - Vereinbarung weiterer Termine
• Evaluation der Ergebnisse
  - schriftliche Fixierung der Gesprächsergebnisse
  - zeitnahe und weiterführende Überprüfung der Erfolge

Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme kann direkt von dem Ratsuchenden ausgehen, aber
auch über eine zweite Person erfolgen.
Mögliche Kontaktwege:
• persönlich:
  - an Unterrichtstagen in der zweiten großen Pause im Lehrerzimmer
  - auf dem Schulgelände, wo auch immer
  - im Beratungsraum oder Beratungsbüro
• per Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
• über das Schulsekretariat
• über KollegInnen/MitschülerInnen

Oktober 2012
Barbara Kuypers

* Vgl. Skript von Silke Brandt „Beratungsgespräche planen und gestalten" (S. 7ff) der Weiterbildung des Studieninstituts Niederrhein vom 29.11.2010

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