Übergabe des spätbarocken Augustinus-Bildes

Vom Kloster Mariënhage zur Gaesdonck

Am Freitag, dem 17.06.2016, fand ein altehrwürdiges Gemälde von Johann Holzer, mit der Bezeichnung „Sankt Augustinus von Heiligen umgeben“, eine neue und würdige Bestimmung: vom Augustiner Kloster im niederländischen Eindhoven zum Collegium Augustinianum Gaesdonck. Das Kloster Mariënhage wurde wie die Gaesdonck im Mittelalter von Augustiner Chorherren gegründet. Seit 1891 leben in diesem Kloster Augustiner Patres, aber inzwischen ist ihre Klostergemeinschaft zu klein geworden. Dank dem Augustiner Orden gibt es in Eindhoven das Collegium Augustinianum, kurz „het Augustinianum“, eine renommierte Schule für HAVO und VWO (Gymnasium).

Kunsthistoriker Eugene van Deutekom, der im Namen des Augustinus Ordens das Gemälde aus dem Jahre 1726 der Gaesdonck offiziell übergab, wies daraufhin, dass das Schließen eines Klosters ein sehr emotionaler Prozess ist. Dabei sei es nicht leicht, für die vielen verbleibenden Kunstgegenstände einen neuen, würdigen und passenden Platz zu finden. Die Übergabe wurde von dem Gaesdoncker Ulenberg-Ensemble musikalisch umrahmt. Dabei erklang auch die hauseigene Gaesdoncker Hymne sowie eine musikalische Improvisation für Orgel und Klavier über das Wort des heiligen Augustinus „Unruhig schlägt mein Herz, bis es ruht in Dir".
Frau Ingrid van Neer-Bruggink, Leiterin und Bibliothekarin des Augustinischen Institutes in Eindhoven, erläuterte das Gemälde in einem sehr interessanten Vortrag, in dem sie auf das Leben und Wirken des heiligen Augustinus wie auch auf die Augustinische Spiritualität einging.
In der Mitte der Abbildung findet man Sankt Augustinus. Er wird von einigen Heiligen umringt, quasi als die unterschiedlichen Aspekte des nach Sankt Augustinus anzustrebenden Lebens, der „Vita perfectissima“: Es geht darum, eine „Vita contemplativa“ (Betrachtung, Gebet, Liturgie, Beschauung) mit einer „Vita activa“ (einen Beitrag an der Gesellschaft leisten, mit besonderer Beachtung der Ärmsten und Schwächsten) zu kombinieren. Diese verschiedenen Aspekte werden auf dem Gemälde durch Sankt Monika, Sankt Nikolaus von Tolentino und durch Sankt Thomas von Villanova verkörpert.

Auch die anwesenden Q1er des Leistungskurses Katholische Religionslehre lernten vieles über den Schutzheiligen der Gaesdonck dazu. Zwar habe Sankt Augustinus einige Jahre in Italien gelebt, aber man dürfe nicht vergessen, dass er ein Afrikaner gewesen sei, der den größten Teil seines Lebens in Afrika gelebt und gearbeitet habe, erzählte Frau van Neer. Außerdem ist den meisten nicht bekannt, dass Sankt Augustinus auch Mönch war.
Für alle Gaesdonckerinnen und Gaesdoncker wird auffällig sein, dass man in der Gaesdoncker pädagogischen Trias „Christlich Leben, Sozial Handeln, Begabungen entfalten“ eigentlich alle Aspekte der „Vita perfectissima“ wiederfindet.
Der Aufforderung als Gaesdoncker Schul- und Internatsgemeinschaft die Augustiner Spiritualität weiterzuentdecken und ihr einen Platz im Alltag zu geben, konnten sowohl Direktor Peter Broeders als auch Spiritual Cornelius Happel demnach nur beipflichten. Die anwesenden niederländischen Augustiner Patres zeigten sich bei der Verabschiedung sehr zufrieden mit der Gaesdonck als neuer Heimat für ‚ihr‘ Gemälde.

 

Loading...
Loading...