Firmung auf der Gaesdonck
Ein Sakrament, das sich Fragen gestellt hat
Firmung ist kein Automatismus. Wer auf der Gaesdonck den Weg zur Firmung geht, merkt das spätestens in den Wochen der Vorbereitung. Unsere Internatspädagogen begleiten die Firmanden unter der Anleitung unseres Spirituals Sven Tönies nicht einfach durch einen Kurs — sie gehen mit ihnen in echte Auseinandersetzungen. Mit Fragen, die manchmal unbequem sind. Und mit Antworten, die jeder für sich selbst finden muss.
So war es auch in diesem Jahr. Die Firmanden, die heute in unserem Gottesdienst das Sakrament der Firmung empfangen haben, haben sich in der Vorbereitung ihrem eigenen Verhältnis zur Kirche gestellt. Ehrlich, manchmal kritisch, aber immer ernsthaft. Zweifel wurden nicht wegdiskutiert, sondern ausgesprochen. Und genau das macht den Unterschied: Wer sich dennoch — oder gerade deshalb — für die Firmung entscheidet, tut das aus einer inneren Überzeugung heraus, nicht aus Gewohnheit.
Dabei gilt auf der Gaesdonck ein klares Prinzip: Alle Schülerinnen und Schüler nehmen am Firmunterricht teil — die Entscheidung, ob sie sich am Ende tatsächlich firmen lassen, treffen sie jedoch selbst. Niemand wird gedrängt, niemand muss. Wer Ja sagt, sagt es für sich.
Der Einzug des Weihbischofs in unsere Kirche war der sichtbare Abschluss dieses Weges. In seiner Predigt beschränkte sich Weihbischof Lohmann nicht auf das Sakramentale. Er sprach auch die politische Dimension des Evangeliums an: die Liebe zum Menschen, den Aufruf zum Frieden — und die Frage, was es bedeutet, wenn sich Macht- und Kapitalinteressen durchsetzen, wo das Evangelium eigentlich eine andere Richtung weist. Worte, die nachdenklich machen. Und die zeigen, dass Glaube keine Privatsache im engsten Sinne ist, sondern immer auch eine Haltung zur Welt.
Dass unsere Internatspädagogen diese Begleitung leisten — nicht als Pflichtprogramm, sondern als gelebtes Miteinander — ist Teil dessen, was das Leben auf der Gaesdonck ausmacht. Kopf, Herz und Charakter sind bei uns keine leeren Begriffe. Sie zeigen sich in Momenten wie diesem.
Wir gratulieren allen, die heute gefirmt wurden, und danken den Internatspädagogen, die diesen Weg mit ihnen gegangen sind.



















